Mission Nachhilfeunterricht

Für 16 lernschwache Kinder der letzten Klasse (CM2) der Grundschule Mballing

 

Ursula Brundiers erzählt von ihrer Projektbegleitung im März/April 18 .

 

Von ihren Eindrücken der Reise sowie ihrer Mission den lernschwachen Kindern aus der Grundschule zu helfen.

 

Viele Schüler haben aufgrund der viel zu überfüllten Schulklassen und den zu wenig ausgebildenten Lehrern Lernprobleme. Die Eltern, die weder schreiben noch lesen können, sind ihren Kindern auch keine Hilfe. Wir sind sehr froh darüber, wenn sich engagierte Leute wie Ursula mit uns mitkommen und sich bereit erklären, den Schülern zu helfen.

Vielen DANK für deine wertvolle Arbeit und deinen persönlichen Einsatz.

21. März 2018
Abflug 12:25 Uhr in Berlin Tegel mit Air France und natürlich Zwischenlandung in Paris.
Ankunft pünktlich um 20:25 Uhr auf dem neuen Flughafen Blaise Diagne de Dakar.

Statt des erwarteten Mor, dessen Foto ich bei mir trage und dessen Gesicht ich mir eingeprägt habe, steht direkt am Ausgang Serigne mit einem Schild Ursula B. Unübersehbar: ćest moi. Dass er wirklich mein Abholer ist, klären wir in holperigem Französisch. Alles gut, ich steige ins Auto ein, das dann keine Anstalten macht anzuspringen. Meine unbedachte Äußerung, ach das ist doch Afrika, kommt nicht so gut an, obwohl sie liebevoll und eher verständnisvoll gemeint war.
Denn die Luft, die Lebendigkeit der Menschen, die ganze Atmosphäre hatte mich längst wieder in ihren Bann gezogen.
Gut, es fanden sich dann nach einigen Startversuchen mit offener Motorhaube viele helfende und schiebende Hände und wir konnten mit einer Stunde Verspätung den Parkplatz verlassen und die nächtliche Fahrt zum Hotel beginnen. Nicht ohne ein Erstaunen meinerseits über die Parkgebühr von 2000 CFA (etwa 3,- €). Aber daran anknüpfend konnten wir das Gespräch über die Preise, das Auto, die Arbeit und die Familie beginnen und ich war voller Freude über die Obststände und das Gewusel am Rande der Straße. In Berlin hatte es grad noch geschneit.
Kurze, herzliche Begrüßung mit Natalie und dann relativ schnell ins Bett, da das Frühstück am nächsten Morgen um 7:30 Uhr angesagt ist.


22. März 2018
Nach einem tiefen Schlaf begleitet vom gleichmäßigen Rauschen des geliebten Meeres ein ortsübliches Frühstück mit La vache qui rie (Weichkäse) und Bananen. Dann mit Bernhard und Tim am Strand entlang zur Schule und dort in das Büro des Vereins.

Mbaye, der stets präsent und lächelnd die Übersetzungen vom Deutschen in Wolof und Französisch hin und her macht, erinnert sich an mich von meiner Teilnahme an der Geschichte mit dem schillernden Regenbogenfisch, der die Schulkinder letztes Jahr zum Nachdenken brachte. Dabei hatte ich ja Natalie kennen gelernt, auf deren Trommelreisen ich bei Recherchen im Internet gestoßen war.


Im Büro lausche ich erstmal und versuche die Zusammenhänge zwischen Schule, Verein, Leprahaus und Dorf zu verstehen. Endlich wird auch klar, was ich tun könnte in den zwei Wochen hier. Die sechsten Klassen, die hier CM2 könnten vor dem Übergang der Kinder in das College vielleicht Unterstützung in Mathematik gebrauchen.
So werde ich den beiden Lehrern der a) und b) vorgestellt und darf gleich in der ersten Klasse hospitieren.
Die Schüler sind gerade dabei die Ergebnisse der Tischgruppen an die Tafel zu schreiben um sie bei Unstimmigkeiten zu diskutieren. Daran besteht dann augenscheinlich kein Bedarf. Nachdem Monsieur Diouf mich aussuchen lassen wollte ob jetzt Französisch oder weiter Mathematik gelernt werden soll, entschied er sich dann doch für das letztere Fach und stellte die Aufgabe: eine Verkäuferin hat 2g Salz und packt davon Säckchen zu 0,1g ab. Wie viele Säckchen gibt das.

Die Division durch 0,1 als Multiplikation mit 10 wird dann an Beispielen antrainiert. Die Schüler müssen die Ergebnisse möglichst schnell auf ihre kleinen Tafeln schreiben und in die Höhe halten. Für Ruhe und Schnelligkeit sorgen wiederholte äußerst laute, kräftige Schläge mit dem Lineal auf den ersten Tisch.... Das scheint zu funktionieren.

Weiter geht es dann mit Sachaufgaben und verschiedenen Lösungsmethoden. Über die Verwendung der graphischen Methode haben Herr Diouf und ich einen kleinen Disput, der von den Schülern verstohlen verfolgt wird. Na gut, ich kann ihn nicht überzeugen, dass bei dieser Methode die Länge der Abschnitte eigentlich das Entscheidende ist. Der Beweis der Richtigkeit seiner Skizze durch den Hinweis, dass das so im Buch stehe, gelingt ja nicht wirklich, da dort die Differenz der beiden Längen tatsächlich vom Zahlenwert kleiner ist als die kürzere Länge und die Skizze somit maßstabsgerecht. Mir fällt der Spruch meiner Mutter ein, der Klügere gibt nach... Ende der ersten Stunde.

Nach einer kurzen Pause und einem Cappuccino im Büro durfte ich bei Herrn Sarr in der Parallelklasse zuhören und nachdem ich mich wie alle anderen brav gemeldet hatte, durfte ich auch zur Konstruktion und Erklärung an die Tafel. In dieser Stunde wurde an den verschiedenen Geraden im Dreieck gearbeitet. Die Konstruktion der Mittelsenkrechten, der Seitenhalbierenden oder der Winkelhalbierenden gelang allerdings auch dem Lehrer nicht auf Anhieb. Mit Vergnügen nahm ich Zirkel und Kreide und sparte nicht mit ausführlichen Erklärungen über die geometrischen Orte aller Punkte mit gleichem Abstand von zwei Ecken. So ganz folgen wollte aber auch Monsieur Sarr mir nicht. Gut, die Lehrer unterrichten ja auch alle Fächer und nicht nur Mathematik. Die Unterrichtsmethoden bestehend aus Vormachen, Nachmachen, Erklärungen, aufschreiben und Herunterbeten können, mit anschließendem Üben kommentierte ich mit wohlwollender Zurückhaltung. So ähnlich machen wir das in Deutschland auch, probieren aber auch Gruppenarbeit, offene Problemstellungen und Wochenarbeitspläne.

Ich bedanke mich auch bei Herrn Sarr und sage mein Kommen für den nächsten Tag zu. Da steht allerdings ein ganztägiges monatliches Testen in allen Fächer an, bei dem ich nichts mittun kann. Montagnachmittag werde ich jeweils 8 Schüler aus jeder der beiden Klassen mit ein wenig Nachhilfe in Mathematik beschenken. Ich freue mich drauf und schicke aufmunternde Blicke in die Runde.


23. März 2018
Mittags bekomme ich die Mathetestaufgaben und kann mir ein Bild über die Anforderungen machen. Das ermöglicht mir am Nachmittag eine Sachaufgabe als Aufhänger für meine Hilfe nächste Woche zu erstellen. Thema ist Umfang und Flächeninhalt von Vierecken, Ernteertrag eines Gartens und Einheiten von Flächen, Längen und Gewichten. Ich bekomme die Namensliste der vorgeschlagenen Schüler und nehme den Kontakt zu ihnen auf. Wie zur Auszeichnung aber auch zum Erkennen bekommen sie ein Werbe T-Shirt und die Frage, ob sie mit mir arbeiten wollen. Alles im grünen Bereich.

24. und 25. März 2018
Noch zwei Tage Entspannung bevor die Arbeit beginnt. Es steht ein längerer, anrührender Besuch im Waisenhaus (in Mbour) an, sowie ein Ausflug nach Toubab Diallaw  (zum wohl ersten Markt mit Bio Produkten) und einem Besuch bei Freunden im Hotel Sobo Bade.

MO 26. März bis DI 03. April 2018
Jetzt führe ich wieder ein geordnetes Arbeitsleben.
Täglich zwei Stunden, die ersten 4 Tage jeweils von 15 - 17 Uhr, Samstag, Ostermontag und am letzten Dienstagvormittag von 10 - 12 Uhr, arbeite ich mit den Kindern in der Bibliothek am großen Tisch und an der Tafel dort.


Ich beginne ihre Namen zu lernen, die Gesichter auseinander zu halten, lasse sie Namenskärtchen schreiben und verteile Blöcke und Stifte. Von den 16 angekündigten Kindern erscheinen so 10 bis 13 zu den Übungsstunden. Zwei Nichterschienene werden im Laufe der Woche durch zwei lernwillige und leistungsstarke Mädchen ersetzt. Die Schüler der Klasse von Herrn Diouf sind vollständig anwesend.
Die Pünktlichkeit nimmt eher zu. Die Blöcke bleiben in der Schule, die Stifte dürfen mitgenommen werden und um arbeiten zu können verteile ich insgesamt dann ca. 20 davon. Das eigene Material dabei zu haben und sorgfältig zu behandeln ist keine trainierte Tugend.

Eingangs lesen und besprechen wir die Garten - Aufgabe. Schon das Vorlesen des französischen Textes fordert die Schüler stark, einige verweigern das Lesen, sie trauen es sich nicht zu, sie können es nicht?
Die Aufgabenstellung ist komplex, angelehnt an die Textaufgaben des Monatstests.

 

Die Aufgabe: Du möchtest deiner Mutter bei einer Berechnung helfen. Sie ist Vorsitzende einer Organisation für die Stärkung der Frauenrechte. Der Verein bewirtschaftet einen Garten der Größe... Es werden Karotten, Kohl und Zwiebeln angebaut usw. )
Oh, jetzt schaut auch der Schulleiter nach, was denn hier so vor sich geht in seiner Schule.

Er nickt anerkennend und verlässt, nach meiner kurzen Beschreibung unserer Intention hier, zufrieden das Klassenzimmer.

Die erste Doppelstunde ist bald vorbei, die Kinder waren im T-Shirt gekommen. Einige Mädchen benahmen sich anfangs zickig und ablehnend.
Dieses Verhalten änderte sich aber grundlegend als ich erklärte, dass ich nichts von ihnen wolle, dass sie Hilfe und Unterstützung von mir bekommen könnten und wenn ihnen alles nicht passen würde, dürften sie gerne wieder heimgehen.

Das und mein freundliches Lächeln und meine Bitte mir bei meinem mittelprächtigen Französisch zu helfen, hat sie überzeugt und die Kinder haben unser Angebot gerne angenommen und meist begeistert mitgemacht.
(Madame, Madame, ich weiß es, ich war noch gar nicht an der Tafel, ich war die Erste....)

Schnell stellt sich heraus, dass der Knackpunkt darin besteht, zu verstehen, welche Rechenschritte erforderlich sind. Aber das ist ja erwartungsgemäß so. Wenn der Umfang eines Quadrats gegeben und die Seitenlänge gesucht ist, muss man durch vier teilen. Mir leuchtet das ein, ich kann das auch begründen, am quadratischen Fensterrahmen, auf dem Teppich den Umfang ablaufend, in die Köpfe der Kinder geht das aber ganz mühsam. Von der Multiplikation mit vier bis zur Quadrierung des Umfangs wird alles geraten, was zur Lösung führen könnte.


Auf diesem Niveau mit wechselnden aber sehr ähnlichen Fragestellungen erarbeiten wir die Zusammenhänge zwischen Umfang, Flächeninhalt und Seitenlängen auch bei gewöhnlichen Rechtecken. Wir prägen uns die Umrechnungstabellen für Längen und Flächenmaße ein, ich zumindest ;-)

Am Samstag bei einem kurzen Test stellt sich allerdings heraus, dass ich die Einzige bin. Während die zuerst beschriebenen Fragestellungen doch von vielen bearbeitet werden können, gelingt es zum Beispiel Niemandem cm Angaben in dm umzuwandeln, geschweige denn ha in Quadratzentimeter. Ich bin enttäuscht. Neue Tabellen, neue Beispiele, nochmalige Erklärungen, Begründungen von einer sichtlich desillusionierten Lehrerin. Zur Motivation zerteilen wir die mitgebrachte Tafel Schokolade mit ihren 4x6 Stücken....
In meiner Fassungslosigkeit erwähne ich, dass ihre Ergebnisse ja vielleicht ihre Lehrer interessieren könnten. Oh, bitte nicht, am Montag können wir alles, Versprochen!

Am Karfreitag hatte ich mir nochmal einen Ausflug mit Bernhard und Tim ins hübsche Toubab Diallaw gegönnt. Gegönnt deshalb, da wir Serigne mit seinem neuen, eigenen Auto als privaten Fahrer engagierten. Der Verein hat ihm die Anschaffung mit einem zinslosen Kredit ermöglicht. Viel Verantwortung bei diesen Verkehrsverhältnissen und den ungewissen Verdienstmöglichkeiten. Der Familienvater hat sich das gut überlegt und dann doch rasch die Initiative zum Autokauf ergriffen. Die Preise muss er jetzt natürlich dementsprechend kalkulieren und auch seine langjährigen Kunden haben dafür Verständnis. Die Polizisten an der Straße hinter MBour sehen ein französisches Nummernschild und drei Weiße mit einem schwarzen Fahrer in diesem schicken Peugeot. Da wird es etwas zu beanstanden geben, also werden kurz die Papiere gecheckt, irgendetwas gemurmelt und weg ist der Führerschein. Na gut, für 1000 CFA kann er dann im Polizeiauto abgeholt werden. Ein moderater Preis. Vom letzten Jahr sind mir Zahlungen von 3000 CFA fast alle 20 km in Erinnerung. Mich lauthals zu beschweren und die Gemeinheit dieser Aktionen anzuprangern, hatte ich mir aber auch damals schnell abgewöhnt. Ein Erfolg war ja so nicht zu erzielen.

Bei der Argumentation mit senegalesischen Polizisten keinen Erfolg gehabt und dann noch Misserfolge als Lehrerin, das ist schwer zu ertragen.
Es muss etwas geschehen.

 

Da die Schokolade doch gut ankam versuche ich mein Glück die letzten Tage mit der Motivation durch Bonbons.

Und einen glücklichen Umstand gibt es zusätzlich. Ich hatte Ende der Woche einen jungen Mann am Strand vor dem Hotel kennen gelernt, Abdou, nicht aufdringlich aber sehr beharrlich. Er hatte mitbekommen, dass ich mit Natalie und Markus arbeite, die ja in der ganzen Umgebung bekannt sind.

Seinem Wunsch nach Deutschunterricht bin ich dann im Garten des Hotels gerne nachgekommen, hab ihn mit Natalie und Mbaye bekannt gemacht und hoffe, dass alle ihn unterstützen können bei seinem Vorhaben weiter zu kommen. Mein Wolof - Deutsch Wörterbuch und ein dickes Französisch - Deutsch Lexikon von Natalie fanden in ihm einen dankbaren Abnehmer. Ja, und er bedankte sich mit einem kleinen Kokoskuchen. Diese Geste inmitten einer ausgeprägten ' donne moi (gib mir) - Kultur ' ist wunderschön.

Abdou ist dann auch zwei Tage mit mir in den Unterricht gekommen, hat den Montagstest mitgeschrieben und sich wie die anderen beteiligt. Auf dem Weg am Strand entlang hab ich ihn Vokabeln abgehört und in der Bibliothek hat er des Öfteren die Kinder zur Ruhe ermahnt, so dass ich sehr von seiner Anwesenheit profitieren konnte.
Das ist meiner Meinung nach auch ein gutes Modell für den zukünftigen Einsatz bei Wissen macht stark, ältere Studenten sorgen für mehr Respekt. Die senegalesischen Schüler sind ja mit der deutschen nicht autoritären Unterrichtsform nicht vertraut. Mit dem Lineal auf den Tisch zu knallen und freundliche Bitten um Ruhe sind zu konträr.
Nachbeten und kreatives Arbeiten in Gruppen schwer austauschbare Herangehensweisen. Junge Freiwillige könnten die Lust verlieren. Mir hat die Arbeit mit den Kindern auf jeden Fall Spaß gemacht!

Ursula Brundiers

 

Fotos: Copyright by Stefan Radi

 

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